Was dauert da so lange?
Seit über zwei Wochen ist der Biontech-Pfizer-Impfstoff gegen COVID-19 in der EU nun zugelassen. Wenige Tage darauf wurden in Österreich die ersten Personen geimpft. Nach Österreich sollen pro Woche 63.000 Impfdosen geliefert werden. So viele sollten also bereits im Land sein und bis Ende dieser Woche noch einmal so viele folgen. Jedoch wurden insgesamt erst 6.800 Impfdosen verabreicht. Da stellt sich die Frage: Warum wird der Rest nicht verimpft?
Betrachtet man den internationalen Vergleich, sieht man, dass es mit den Impfungen um einiges schneller gehen kann. Dass Israel allen anderen davonzieht, wird wenige wundern, zumal das Land pro Dosis einen deutlich höheren Preis bezahlt und sich dank einer geschickten Einkaufspolitik eine hohe Anzahl an Impfdosen sichern konnte. Diese werden dort jedoch auch sofort verimpft und nicht wie in Österreich im Lager liegen gelassen. In anderen Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain oder den USA lässt sich die hohe Impfquote ebenfalls mit der Einkaufspolitik erklären, wobei die USA hier den Vorteil haben, dass der aktuell am meisten benutzte Impfstoff von einem der dort heimischen Unternehmen, Pfizer, produziert wird und sich somit Lieferketten verkürzen lassen.
In Europa sieht die Lage jedoch etwas anders aus. Innerhalb der EU gibt es eine gemeinsame Beschaffung von Impfstoffen, damit eine einigermaßen gerechte Verteilung der Dosen zwischen den Mitgliedsstaaten gewährleistet werden kann und vor allem, da man, wenn man gemeinsam als Käufer auftritt, bessere Preise erzielen kann, anstatt sich als Einzelkäufer gegenseitig zu überbieten und damit den Preis in die Höhe zu treiben. Somit könnte man sagen, die EU sei schuld am gegenwärtigen Impf-Schneckentempo und Österreich könnte hier nichts tun, als auf die EU zu warten.
Ein Blick in andere EU-Mitgliedsstaaten aber zeigt, dass dieses Argument unhaltbar ist. An dieser Stelle möchte ich einmal kurz auf die Daten zur Impfung eingehen. In Österreich wurden bisher 6.800 Impfdosen verabreicht. Die obige Grafik zeigt eine Impfquote von 0,07 pro 100 Einwohner. Die dort verwendeten Daten sind vom 30. Dezember 2020 und gehen von 6.000 verimpften Dosen aus. Mit der aktuellen Zahl von 6.800 Dosen ergibt sich eine Impfquote von 0,076 pro 100 Einwohner, also eine vernachlässigbar höhere Zahl.
Sieht man sich nun die anderen EU-Mitgliedsstaaten an, sieht man, dass sich Österreich keineswegs auf die EU ausreden kann. Führend ist hier Dänemark, wo die Impfquote fast zehnmal so hoch ist wie in Österreich. Auch in Ländern wie Italien, Spanien, Polen oder vor allem Deutschland wurden pro Einwohner deutlich mehr Personen geimpft, obwohl man doch meinen sollte, dass die Impflogistik gerade in größeren Ländern schwerer und in kleineren Ländern leichter zu administrieren sei.
Überhaupt wurde, nachdem die ersten Impfungen PR-wirksam in allen Bundesländern stattgefunden haben, angekündigt, dass man mit der flächendeckenden Impfung erst am 12. Jänner 2021 beginnen wolle. Bis dahin sollten keine weiteren Impfungen verabreicht werden. Dies entspräche dem Impfplan der Bundesregierung, an den man sich unbedingt halten will, um der Bevölkerung „Sicherheit“ zu geben.
In jedem Fall muss die Impfung jetzt, neben dem bereits geltenden Lockdown, die oberste Priorität haben. Für Hochrisikopatienten, gerade Bewohnern von Pflegeheimen, kann es eine Frage von Leben und Tod sein, ob sie einen Tag früher oder später geimpft werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Angehörige, die einen geliebten Menschen dadurch verloren haben, dass die Impfung erst später kam, Ausreden in Richtung EU und Impfplan hören wollen.
Mittlerweile wurde immerhin angekündigt, dass, abweichend vom Impfplan, 21.000 weitere Impfdosen ihren Weg in Oberarme finden sollen. Dies entspricht jedoch auf keinen Fall der Anzahl der bereits lagernden Dosen von zumindest 63.000.
Warum man hier also Impfdosen im Lager lässt, anstatt gerade Hochrisikopersonen möglichst schnell einer Impfung zuzuführen, entzieht sich mir jeglicher Erklärung.